In ihrer Masterarbeit der freien figurativen Malerei inszeniert die Künstlerin in ihren Werken die Synergie aus Film, Musik und Malerei.

Der Film „Im Namen des Vaters“ (Jim Sheridan 1993 ”In the Name of the Father” | mit Daniel Day-Lewis, Emma Thompson, Pete Postlethwaite), die Film-Musik von Bono, Gavin Friday und Sinéad O‘Connor, der Drehort des Gefängnis „Kilmainham Gaol”, sowie persönliche Ereignisse, die Liebe zu Irland und Konzerte von U2, beschäftigten die Künstlerin AndyMo nachhaltig. Woraus schließlich die malerischen Serien „ZufallsGrat 1 und 2“ entstanden.
Der Film schildert die wahre Geschichte Gerry Conlons und den sogenannten „Guildford Four”.
Das Geschehen findet in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Belfast der siebziger Jahre statt. Als der politisch eher uninteressierte  Gerry Probleme mit der IRA bekommt, schickt sein Vater ihn nach London. Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort wird er in einen brutalen Bombenanschlag verwickelt, der auf ein Pub ausgeübt wird.  Er selbst, Familienmitglieder und Freunde werden gefoltert und gezwungen, die Tat zu gestehen. Obwohl sie unschuldig sind, werden sie für schuldig verurteilt und  inhaftiert. Der Vater Giuseppe Conlon stirbt nach quälenden Jahren im Gefängnis.

Basierend auf dieser Auseinandersetzung zwischen Willkür und Ungerechtigkeit, zwischen Freiheit und Gefangensein und unter der philosophischen Betrachtungweise des Zufalls entstanden zwei unterschiedliche  malerische Serien.
Die erste Serie, “ZufallsGrat 1”, beinhaltet zwölf „zellentürgroße“ Malereien. Die zweite Serie, “ZufallsGrat 2” wird aus kleineren quadratischen Malereien gebildet. Begleitet werden sie von Zeichnungen.
Die Serien sind Ausdruck menschlicher Schicksale und stehen im friedlichen Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit. Nicht zuletzt ist es auch die Sehnsucht nach Irland mit der Zerrissenheit und gleichzeitigen Schönheit und Spiritualität dieser Insel, die bei der Künstlerin tiefe emotionale Spuren hinterlassen haben. Irland wurde für sie Seelenheimat und Inspiration.

Der Drehort des Films „Kimnainham Gaol“ in Dublin hat sie darüber hinaus  so sehr in den Bann gezogen, dass sie eine Vision entfaltete, die sich immer stärker manifestierte. Beim Betreten des Gefängnis-Traktes, spürte sie eine einzigartige Energie, die sie  veranlasste, nicht mehr von dieser Thematik zu weichen.
Sie folgte dem Impuls unschuldig Gefangenen durch das Medium Kunst eine Stimme zu verleihen.

Die Auseinandersetzung mit dem Zufall oder Begegnungen, die binnen 2 Sekunden unser Leben nachhaltig verändern und um „180° drehen“ können, sind jene Aspekte, welche die Künstlerin am meisten beschäftigen und inspirieren. Zwei Sekunden, die uns auf einem schmalen Grat von Leben und Tod, Wahnsinn und Glück trennen.

Es sind auch die Zufälle, die Momente, die eine außerordentliche positive Kraft entfalten, die fern sind von jeder sachlichen Logik oder Wissenschaft. Viel mehr sind es Mystik oder Spiritualität, die in einer Situation zusammentreffen, sich offenbaren und eine besondere Energie entfalten und AndyMo immer wieder faszinieren.

Das Schicksal Gerry Conlons beginnt mit diesem Zufall zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein.
Fälschlicher Weise beschuldigt eine Straftat begangen zu haben, wird er 15 Jahre unschuldig inhaftiert und misshandelt. Durch einen Zufall gelingt es seiner Anwältin schließlich, vorenthaltenes Beweismaterial sicher zu stellen und damit endlich die Freilassung  zu bewirken.

Was, wenn der Zufall anders entschieden hätte? Was, wenn Gerry Conlon nicht in diesen unglücklichen Moment verwickelt worden wäre?
Diese Gedanken gaben der Künstlerin den Anlass zur zweiten Serie, bei der 12 kleinere quadratische Malereien, wie eine Art kurze Film-
sequenzen/ Film-Stills oder “Sekunden-Aufnahmen“ entstanden, die sich mit der Person Gerry Conlon und einem Leben in Freiheit beschäftigen.

In ihrem künstlerischen Schaffen ist das Zusammenspiel von Musik, Emotionen und Farben die treibende Kraft für die malerischen Kompositionen. Ihre Malerei wird zur energiegeladenen “expressiven Explosion”, als Resultat von Spontaneität kombiniert mit höchster Konzentration. Zum Ausdruck dessen, was unsere Sprache nicht vermag.

Die Bipolarität der apollinsch-dionysischen Wechselwirkung – Ordnung und Zerstörung, aufstrebende Kraft und bitterer Fall.
Darin liegt ein besonderes Energie- und Spannungsfeld im kreativen, schöpferischen Prozess.

„ZufallsGrat“ (On the Knife Edge of Fate) ist ein malerisches Statement und eine Fragestellung zur menschlichen Freiheit gegen Gewalt, Unterdrückung und Gefangensein.
Es ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensphilosophie und dem Prinzip des Zufalls, der binnen 2 Sekunden über das menschliche Schicksal entscheidet.